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Herausforderung Frankenstärke im schweizerisch-deutschen Wirtschaftsverkehr

Die Aufhebung der Untergrenze von CHF 1,20 hat auch die Unternehmen im Wirtschaftsverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz sehr überrascht. Die starke Überbewertung des Schweizer Frankens, mit einer Abweichung von der Kaufkraftparität von 15 bis 20%, ist unterdessen für die schweizerische Wirtschaft, insbesondere mittelständische Unternehmen im Industriesektor, zu einer enormen Belastung geworden. Eine Abwanderungswelle nach Deutschland kann die Handelskammer im Tagesgeschäft allerdings nicht feststellen. Jedoch werden bestehende Unternehmensstrukturen im Ausland vermehrt genutzt und neue Einkaufsquellen jenseits der Grenze erschlossen.

Eine aktuelle stichprobenweise Umfrage aus dem Februar 2015 unter den Schweizer Mitgliedsfirmen der Handelskammer, welche vorwiegend aus dem mittelständischen Industriesektor stammen, zeigt die grosse Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Schweiz seit dem Wegfall der Mindestkursuntergrenze:

  • 74% der Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt, darunter 52% sogar stark bis sehr stark beeinträchtigt.
  • 43% gehen von einem Exportrückgang nach Deutschland in den kommenden
    12 Monaten aus, darunter rechnen 10% sogar mit einem starken Rückgang.
  • 66% der Firmen gaben an, mit Managementmassnahmen jetzt darauf reagieren zu müssen.

Neben Innovation (42%) und Ausbau spezifischer Stärken (56%), setzen die Unternehmen vor allem auf kostensenkende Massnahmen:

  • 58% planen die Effizienz beim Arbeitseinsatz  zu erhöhen (Prozessoptimierung),
  • 41% setzen auf Personalkostenreduzierung (Arbeitszeiterhöhung, Lohnsenkung),
  • 25% planen den Personalbestand zu reduzieren,
  • 48% suchen nach einer Verlagerung der Einkaufsquellen in die EU, darunter 35% verstärkt nach Deutschland.
  • 20% planen eine Verlagerung der Produktion ins Ausland.

Bezüglich der künftigen Perspektiven weisen Ökonomen einerseits darauf hin, dass der Schweizer Franken langfristig dem Trend der «Kaufkraftparität» folgt – von Volkswirtschaft-lern auf 1,25 bis 1,30 CHF je Euro geschätzt.

Die Währungssituation vor 2011 und nach Aufgabe der Untergrenze zeigt andererseits jedoch, dass der Franken stark von Kapitalströmen getrieben wird. Diese haben mit der Absicherung von Risiken der Finanzmärkte zu tun (safe haven Funktion) und bilden das realwirtschaftliche Austauschverhältnis nicht ab. Die Gefahr ist dabei gross, dass dieser stark verzerrte Wechselkurs auch länger anhalten und sowohl die konjunkturelle als auch die strukturelle Situation der Schweizer Wirtschaft stark beeinträchtigen könnte. Auch eine Rezession in der Schweiz im laufenden Jahr kann nicht ausgeschlossen werden.

Die Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft für die Schweizer Unternehmen sind mit einer Exportquote von etwas über 50 Prozent allerdings besser als im Jahr 2011. So nimmt die konjunkturelle Entwicklung zu Beginn des Jahres 2015 sowohl im Euro-Raum, als auch im Dollar-Raum spürbar an Fahrt auf und zeigt sich relativ robust. Auch besteht seitens der Währungsexperten die Hoffnung, dass der Dollar – in seiner Funktion als «sicherer Hafen» – dem Schweizer Franken Druck abnehmen könnte.

Mit der Planungssicherheit, welche mit der Einführung der Wechselkursuntergrenze 2011 vorübergehend gegeben wurde, können die stark belasteten Unternehmen in Zukunft aber nicht mehr rechnen.

Die Handelskammer Deutschland-Schweiz dankt den Unternehmen für Ihre Teilnahme an der Umfrage.

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Ralf J. Bopp
Ralf J. Bopp
Direktor
Marion Hohmann-Viol
Dr. Marion Hohmann-Viol
Leitung Rechts- und Steuerabteilung, stellvertretende Direktorin
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