Die wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands und der Schweiz bleiben 2026 von geopolitischen Unsicherheiten, einer schwachen Weltkonjunktur und anhaltenden strukturellen Herausforderungen geprägt. Während Deutschland weiterhin mit einer geringen Wachstumsdynamik und nachlassender Investitionsbereitschaft kämpft, zeigt sich die Schweizer Wirtschaft widerstandsfähiger.
Gemäss der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer Doppelkrise: Neben den wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Spannungen belasten insbesondere hohe Energie- und Arbeitskosten, bürokratische Hürden sowie strukturelle Standortprobleme die Unternehmen. Die zu Jahresbeginn erwartete konjunkturelle Erholung ist ausgeblieben. Die DIHK senkte ihre Wachstumsprognose deshalb deutlich auf 0,3 Prozent für das Gesamtjahr 2026.
Auch die Erwartungen der deutschen Unternehmen bleiben verhalten. Rund ein Drittel rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung, während lediglich 13 Prozent von einer Verbesserung ausgehen. Als grösste Geschäftsrisiken gelten steigende Energie- und Rohstoffpreise (70 Prozent), wirtschaftspolitische Unsicherheiten (58 Prozent), hohe Arbeitskosten (57 Prozent) sowie die anhaltend schwache Inlandsnachfrage (56 Prozent). Die Investitionstätigkeit bleibt entsprechend zurückhaltend und konzentriert sich vorwiegend auf den Erhalt bestehender Kapazitäten.
Die Schweizer Wirtschaft präsentiert sich im Vergleich dazu robuster, wenngleich auch hier das Wachstum unter dem langjährigen Durchschnitt liegen dürfte. Das SECO erwartet für 2026 ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent und verweist ebenfalls auf die belastenden Auswirkungen der geopolitischen Unsicherheiten sowie einer abgeschwächten Weltkonjunktur. Positive Impulse gehen weiterhin vom verarbeitenden Gewerbe und der Exportwirtschaft aus.
Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung im Schweizer Aussenhandel. Im Mai 2026 stiegen die saisonbereinigten Exporte gegenüber dem Vormonat um 13,4 Prozent auf 25,4 Milliarden Franken und erreichten damit den höchsten Stand seit März 2025. Massgeblicher Wachstumstreiber blieb die Chemie- und Pharmabranche, deren Exporte um 25,7 Prozent beziehungsweise rund 2,8 Milliarden Franken zunahmen.
Auch Maschinenbau, Elektronik und Medizintechnik entwickelten sich positiv. Regional profitierte die Schweiz insbesondere vom Handel mit Europa: Die Exporte in die Europäische Union stiegen um mehr als 21 Prozent, während die Ausfuhren in die USA um 11,5 Prozent zulegten.
Für die deutsch-schweizerischen Wirtschaftsbeziehungen bleibt Deutschland trotz seiner konjunkturellen Schwäche der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Gleichzeitig unterstreichen die aktuellen Handelszahlen die hohe Bedeutung des europäischen Binnenmarktes und enger bilateraler Wirtschaftsbeziehungen. Die unterschiedliche Entwicklung verdeutlicht, dass die Schweizer Wirtschaft derzeit von ihrer hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit profitiert, während Deutschland vor der Herausforderung steht, seine Standortattraktivität durch Reformen, Investitionen und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen nachhaltig zu stärken.
Insgesamt dürfte das wirtschaftliche Umfeld auch in der zweiten Jahreshälfte 2026 von erhöhter Unsicherheit geprägt bleiben. Die weitere Entwicklung der geopolitischen Lage, die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union sowie die Dynamik des Welthandels werden entscheidende Einflussfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder bleiben.
