Unternehmenskonkurse auf Rekordniveau und keine Entlastung in Sicht?
Eine Schweizer Perspektive
Der Beitrag analysiert die Ursachen des jüngsten Anstiegs von Unternehmenskonkursen weltweit und in der Schweiz. Während postpandemische Effekte sowie anhaltende wirtschaftliche und (geo-)politische Unsicherheiten international als Haupttreiber steigender Insolvenzen gelten, sind diese Faktoren in der Schweiz weitaus weniger relevant. In der Schweiz ist der deutliche Anstieg der Unternehmenskonkurse in erster Linie auf eine gesetzliche Revision des Insolvenzrechts zu rückzuführen, die am 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist.
Einleitung
Unternehmenskonkurse in der Schweiz haben im Jahr 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Laut des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung («WBF») ist die Zahl der Unternehmenskonkurse in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 % auf 9’314 Insolvenzen gegenüber 7’856 im Jahr 2024 gestiegen – ein neues, besorgniserregendes Rekordniveau.1 Der Schweizerische Gläubigerverband Creditreform will – aufgrund einer zum WBF divergierenden Erhebungsmethodik – sogar einen Anstieg von 11‘384 Insolvenzen im Jahr 2024 auf 14‘958 Insolvenzen im Jahr 2025 festgestellt haben. Dies entspräche einem Anstieg von 31.4 %.2
Der unbestrittene Anstieg von Unternehmenskonkursen ist jedoch kein Schweizer, sondern ein globales Phänomen. Auch wenn dessen länderspezifische Ursachen divergieren, lassen sich doch einige weltweite Hauptursachen für diese Entwicklung ausmachen. Hierzu zählen insbesondere die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie, die allgemein erhöhte wirtschaftliche und politische Unsicherheit für Unternehmen sowie geopolitische Konflikte, die den finanziellen Druck auf Unternehmen weltweit verstärkt haben. Interessanterweise ist die Schweiz von diesen globalen Hauptursachen jedoch vergleichsweise weniger betroffen. Hauptgrund für den Anstieg der Unternehmenskonkurse in der Schweiz dürfte daher die Einführung neuer konkursrechtlicher Regelungen sein, die den Druck auf Schweizer Unternehmen zusätzlich erhöhen. Nachfolgend werden die globalen und nationalen Ursachen dieser aktuellen Entwicklung daher näher beleuchtet.
Globale Treiber steigender Unternehmenskonkurse
Weltweite Statistiken implizieren eine globale Zunahme von Unternehmenskonkursen von 10 % im Jahr 2024 und 6 % im Jahr 2025. Der Trend dürfte sich im Jahr 2026 fortsetzen, wobei mit einem Zuwachs von etwa 3 % gerechnet wird. Träte dies ein, wäre 2026 das fünfte aufeinanderfolgende Jahr mit steigendem Konkurs zahlen.3 Im Euroraum nahm die Zahl der Unternehmenskonkurse 2024 im Durchschnitt um 19 % zu. Besonders stark betroffen waren Frankreich (+17 %), Deutschland (+23 %) und Italien (+45 %).4 Gemäss Eurostat stieg die Zahl der Insolvenzanmeldungen im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum dritten Quartal 2025 sektorübergreifend um 2,5 % und erreichte damit den höchsten Stand seit dem ersten Quartal 2019.5 Dabei stieg die Zahl der Insolvenzen im vierten Quartal 2025 in allen Wirtschaftssektoren im Vergleich zum vierten Quartal 2024. Besonders ausgeprägt war der Anstieg in den Sektoren Beherbergung und Gastronomie (+40,9 %), Information und Kommunikation (+29,5 %); Bildung und soziale Dienstleistungen (+25.6 %), sowie Verkehr (+20,6 %), während die Sektoren Finanzdienstleistungen (+17,5 %), Baugewerbe (+11,6 %), Industrie (+4,7), sowie Handel (+1,1 %) mittlere bis geringe Zuwächse erfuhren.6 Parallel dazu wurden in mehreren EU-Staaten weiterhin zahlreiche Neugründungen registriert, was die Insolvenzzahlen teilweise kompensiert. Auch in den USA nahm die Zahl der Unternehmenskonkurse deutlich zu. Im Jahr 2024 stieg sie um rund 22 % gegenüber 20237. Im ersten Quartal 2025 wurden rund 23‘300 Konkursverfahren registriert – ein Niveau, das zuletzt während des Höhepunkts der Pandemie er reicht, wurde.8
Die Zahlen verdeutlichen insgesamt einen weltweiten Anstieg der Unternehmenskonkurse und werfen die Frage nach den zugrunde liegenden Ursachen auf. Zu den wichtigsten Treibern dieser Entwicklung zählen die verzögerten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, eine erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit, geopolitische Spannungen sowie politische Unsicherheiten. Viele Unternehmen profitierten während der Pandemie von staatlichen Unterstützungsprogrammen wie Überbrückungskrediten, Nachlassstundungen oder Lohnsubventionen.
Mit dem Auslaufen dieser Massnahmen und daraus folgenden Rückzahlungsverpflichtungen, steigen den Zinsen und anhaltendem Inflationsdruck, geraten insbesondere finanziell fragile Unternehmen zunehmend unter Druck. Unternehmen, die sich nach der Pandemie nicht rechtzeitig restrukturiert haben, sehen sich nun mit den verzögert eintretenden Folgen konfrontiert. Hinzu kommt eine allgemein erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit. Geopolitische Spannungen und Veränderungen im internationalen Handel wirken sich unmittelbar auf die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen aus. Unvorhersehbare Zollerhöhungen, volatile Finanzmärkte sowie eine restriktive Geldpolitik haben die Planungssicherheit vieler Unternehmen erheblich beeinträchtigt. Geopolitische Konflikte, etwa in Osteuropa oder im arabischen Raum, verschärfen diese Situation zusätzlich, indem sie Lieferketten unterbrechen, Energie- und Rohstoffpreise erhöhen und den Zugang zu Finanzierung erschweren. Politische Unsicherheiten führen darüber hinaus zu zurückhaltender Investitionstätigkeit und steigenden regulatorischen Risiken.
Schweizer Perspektive
Auch in der Schweiz nähert sich die Zahl der Unternehmenskonkurse einem historischen Höchststand. Gemäss den Zahlen des WBF ist die Zahl der Unternehmenskonkurse in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 % auf 9’314 Insolvenzen gegenüber 7’856 im Jahr 2024 gestiegen.9 Der Schweizerische Gläubigerverband Creditreform spricht – aufgrund einer zum WBF divergierenden Erhebungsmethodik, die Einzel Unternehmen bei den Firmenkonkursen berücksichtigt – sogar von 14‘958 Insolvenzen im Jahr 2025, mithin ein Anstieg von 31.4 %.10 Daten des Wirtschaftsinformationsdienstes CRIF bestätigen diesen Trend. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 gingen insgesamt 8‘387 Unternehmen in Konkurs, was einem Anstieg von rund 19,5 % gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht. Der Monat September verzeichnete mit 1‘433 Fällen die meisten Konkurse.11
Auffällig sind die kantonalen Unterschiede. Besonders stark betroffen waren das Wallis (+65 %) und St. Gallen (+59 %), während in einzelnen Kantonen wie Glarus (30 %), Uri (-20 %), Basel-Landschaft (-10 %) und Tessin (-2 %) sogar Rückgänge verzeichnet wurden.12 Am stärksten betroffen waren die Bauwirtschaft, das Gastgewerbe sowie der Detailhandel. Gleichzeitig wurden 2025 über 55‘654 neue Unternehmen ins Handelsregister eingetragen. Über das Jahr hinaus ist somit sogar eine Zunahme an Unternehmen von 5,1 % im Vergleich zu 2024 zu verzeichnen.13
Bemerkenswert ist, dass die globalen Treiber steigen der Insolvenzen in der Schweiz nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Schweizer Wirtschaft hat sich nach der Pandemie vergleichsweise rasch erholt und war von den pandemiebedingten Einbrüchen weniger stark betroffen als viele andere europäische Länder. Auch internationale wirtschaftliche und politische Unsicherheiten wirkten sich im globalen Vergleich bislang weniger stark aus. Als zentraler Treiber des Anstiegs der Unternehmenskonkurse in der Schweiz erweist sich vielmehr eine Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, die am 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Ziel dieser Gesetzesänderung ist es, Missbräuche von Konkursverfahren zu verhindern und die Durchsetzung öffentlich-rechtlicher Forderungen zu stärken. Seit Inkrafttreten der Revision sind öffentliche Gläubiger verpflichtet, bei ausstehenden öffentlich-rechtlichen Forderungen – wie Steuern, Gebühren, Bussen oder Sozialversicherungsbeiträgen – gegen die Unternehmen den Konkurs zu beantragen, anstatt die Betreibung ein zuleiten. Unter der früheren Rechtslage endeten solche Verfahren häufig mit einem Verlustschein, ohne dass der Geschäftsbetrieb eingestellt werden musste. Dadurch konnten Unternehmen trotz erheblicher Rückstände den Geschäftsbetrieb weiterführen, was nicht selten zulasten der Gläubiger und insbesondere der Mitarbeitenden ging. Die neue Regelung schliesst diese vom Gesetzgeber nicht gewollte Lücke und fördert damit die Durchsetzung öffentlich rechtlicher Forderungen und die strafrechtliche Verfolgung von Konkursdelikten durch Tätigkeitsverbote und Handelsregistereinträge. Ausstehende öffentlich-rechtliche Forderungen führen nun regelmässig zur Konkurseröffnung und damit in vielen Fällen zur Beendigung der Geschäftstätigkeit des Unternehmens.
* RA Dr. iur. Oliver Jany ist im Bereich Insolvenz- und Restrukturierung bei Prager Dreifuss tätig. Prager Dreifuss verfügt über umfangreiche Erfahrung in komplexen nationalen und internationalen Insolvenz- und Restrukturierungsfällen. Die Links wurden zuletzt am 24. März 2026 überprüft.
1 https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/aktuell/interviews/2026/ zahl-unternehmensinsolvenzen-hohem-niveau-bleiben.html.
2 https://www.creditreform.ch/news/news/news-details/show/15000 firmenpleiten-neuer-rekord-bei-firmengruendungen.
3 https://www.allianz-trade.com/en_BE/news/latest-news/global-insol vency-report-march-2025.html.
4 The corporate battlefield: Global insolvencies in times of war economies, p. 3.
5 https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?tit le=Quarterly_registrations_of_new_businesses_and_declarations_of_ bankruptcies_-_statistics#Highlights.
6 Ibid.
7 The corporate battlefield: Global insolvencies in times of war economies, p. 3.
8 https://tradingeconomics.com/united-states/bankruptcies.
9 https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/aktuell/interviews/2026/ zahl-unternehmensinsolvenzen-hohem-niveau-bleiben.html.
10 https://www.creditreform.ch/news/news/news-details/show/15000 firmenpleiten-neuer-rekord-bei-firmengruendungen.
11 https://www.crif.ch/en/news-events/news/corporate-bankruptcies rise-by-almost-20-percent/.
12 https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/aktuell/news/2025/ anstieg-konkurse-unternehmensgruendungen-2025.html.
13 https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/aktuell/news/2026/neuer rekord-unternehmensgruendungen-2025.html.
